Innerer Kompass: Weniger wollen, fünf Minuten gewinnen und Hoffnung ohne Sonntagsrede

Schönen Donnerstag!

Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.   


3 GEDANKEN VON MIR

I. 

Wenn du immer mehr willst, wird irgendwann sogar „genug“ verdächtig.

Mehr Ruhe.
Mehr Klarheit.
Mehr Disziplin.
Mehr Gelassenheit.

Gelassenheit ist besonders hübsch.

Heißt oft:
Die Frau soll bitte weiter untergehen, aber ohne Wellen.

Sehr praktisch.

Der Dachstuhl kracht, die Familie sitzt im Wohnzimmer —
und du googelst: „Wie werde ich entspannter?“

Vielleicht ist weniger wollen kein Verzicht.

Vielleicht ist es nur der Moment, in dem du sagst:

Nein danke. Diese Zumutung nehme ich heute nicht als Weiterbildung.

II. 

Alles Messbare drängelt nach vorn.

Geld.
Gewicht.
Schritte.
Klicks.
Antwortzeiten.

Zahlen sind kleine Diktatoren mit Tabellenkalkulation:
Sie sehen sachlich aus und übernehmen dann das Wohnzimmer.

Was nicht messbar ist, fällt hinten runter.

Wie frei du sprichst.
Wie leicht du atmest.
Wie oft du lachst, ohne vorher die Stimmungslage aller Anwesenden zu sanieren.

Natürlich zählt das nicht.

Es hat ja keine App.

So wird ein Leben plötzlich sehr ordentlich.

Und die Frau darin wird kleiner gerechnet.

III. 

Große Veränderungen klingen gut.

Kündigen.
Gehen.
Neu anfangen.

Sehr filmisch.

Nur steht im echten Leben niemand vor der Tür und trägt deine Care-Arbeit in Zeitlupe aus dem Bild.

Veränderung ist kleiner.

Eine Erklärung weniger.
Ein Ja später.
Eine Zuständigkeit zurück — ungebügelt.

Zentimeter sind unsexy.

Aber immer noch besser als der große Wurf, der seit drei Jahren auf bessere Bedingungen wartet und inzwischen wahrscheinlich eine eigene Steuer-ID hat.


2 ZITATE VON ANDEREN

I. 

Dolly Parton (R.I.P.) sagte:

„Finde heraus, wer du bist. Und sei es mit Absicht.“

Das klingt erst einmal nach Glitzerstiefeln und großem Busen.

Ist aber in Wahrheit ziemlich radikal.

Denn „sei du selbst“ wird Frauen gern verkauft wie ein Duftwasser: ein bisschen Authentizität, aber bitte nicht so viel, dass jemand seinen Platz räumen muss.

Dolly meint etwas anderes.


Finde heraus, wer du bist, wenn du nicht gerade als Außenstelle fremder Erwartungen arbeitest — und dann sei es so absichtlich, dass dein altes Ja vorsorglich die Personalabteilung anruft und sagt: Wir haben eine neue Mitarbeiterin.

Quelle: Vanityfair, 2021

II. 

Rebecca Solnit:

„Hoffnung ist kein Lottoschein, den man auf dem Sofa festhält. Sie ist eine Axt, mit der man im Notfall Türen einschlägt.“

Das gefällt mir.

Weil Hoffnung hier nicht klingt wie Kerze im Fenster.

Sondern wie Werkzeug.

Manchmal beginnt Hoffnung nicht mit Licht.

Sondern mit Krach.

Quelle: Rebecca Solnit, Hope in the Dark, 2004 


1 FRAGE FÜR DICH

Welche Zukunft baust du gerade — aus Versehen?

Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass-newsletter/

Bis nächste Woche,

Ahoi Sista,


Dr. Ruth Mischnick 

Die, die das Workbook geschrieben hat

P.S. Wenn dein altes Leben plötzlich die Schlösser austauscht.

Probier’s mit mir

Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.

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