Innerer Kompass: Über Zukunftsangst, Fehler und freie Plätze
Schönen Donnerstag!
Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.
3 GEDANKEN VON MIR
I.
Nachricht von meinem überaktiven Präfrontalkortex: Sich Sorgen zu machen fühlt sich erstaunlich nach Denken an.
Vor allem, wenn man eine Gebärmutter besitzt – denn dann ist man quasi automatisch im präventiven Krisenstab der Menschheit eingesetzt.
Man simuliert Katastrophen, die nicht mal in einer schlechten Netflix-Serie vorkommen würden, führt innere Monologe mit Menschen, die einen nicht mal grüßen, und optimiert zwischen Tür und Angel das Restrisiko eines hypothetischen Kieferorthopädenbesuchs aus dem Jahr 2003.
Die Zukunft braucht deine Vorhersage nicht.
Sie braucht deine nächste kleine Handlung – oder zumindest einen guten Snack.
II.
Ein Fehler ist ein Ergebnis.
Nur machen wir daraus sofort eine Charakteranalyse, nicht wahr, Sista?
Projekt gescheitert?
Vielleicht bin ich nicht dafür gemacht.
Falsche Entscheidung?
Vielleicht hätte ich mehr auf mich hören müssen. Oder weniger. Oder vorher noch drei Podcasts.
In der Wissenschaft heißt das anders:
Daten.
Versuch. Ergebnis. Anpassung. Nächster Versuch.
Männer bringen halbfertige Produkte auf den Markt und nennen sie Beta.
Frauen haben eine halbfertige Idee und nennen sich unvorbereitet.
Vielleicht ist nicht unser Selbstvertrauen das Problem.
Vielleicht ist unser Qualitätsmanagement außer Kontrolle geraten.
III.
Wenn alle dasselbe wollen, musst du nicht zwingend besser werden als alle anderen.
Du könntest auch aufhören, dich mit allen anderen um denselben Quadratmeter zu prügeln.
Dieselben Jobs.
Dieselben Themen.
Dieselben Konferenzen.
Dieselben 800 Menschen auf LinkedIn, die gerade alle „Thought Leadership“ entdecken.
Interessanter wird es dort, wo weniger los ist.
Ein kleineres Feld.
Eine seltsame Kombination.
Eine Expertise, die noch niemand sexy genannt hat.
Du musst nicht lauter sein als die Menge.
Es reicht manchmal, dort zu stehen, wo noch keine ist.
2 ZITATE VON ANDEREN
I.
Marie Curie (ja, die mit dem Radioaktivitätszeug):
„Nichts im Leben ist zu fürchten. Es ist nur zu verstehen.“
Verstehen ist weniger spektakulär als Angst – aber es hinterlässt keine Spuren im Möbelhaus.
Angst fragt: Was, wenn alles schiefgeht?
Neugier fragt: Was weiß ich eigentlich wirklich?
Und die zweite Frage hat den Vorteil, dass ich sie googeln kann.
Quelle: „Zitatensammlung“
II.
Die Astronomin Maria Mitchell schrieb:
„Zu wissen, was man tun sollte, ist sicherlich das Schwerste im Leben. Das Tun ist vergleichsweise einfach.“
Eine Frau, die Sterne vermessen konnte, fand also Entscheidungen komplizierter als den Himmel.
Beruhigend.
1 FRAGE FÜR DICH
Wenn dein Leben ein Meeting wäre – welche Teilnehmerin würdest du bitten, den Raum zu verlassen?
Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass-newsletter/
Bis nächste Woche,
Ahoi Sista,
Dr. Ruth Mischnick
Probier’s mit mir
Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.