Innerer Kompass: Warum Langeweile gefährlich ist, Wahrheit allein nicht reicht und Selbstvertrauen leider Arbeit macht

Schönen Donnerstag!

Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.   

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3 GEDANKEN VON MIR

I. 

Langeweile ist der Türsteher vor den guten Ideen.

Vor ihr kommen die üblichen Verdächtigen: effizient, vernünftig, beige. Nach ihr wird es interessant.

Leider gilt Langeweile heute als Notfall. Drei Sekunden nichts – und schon wird das Handy defibrilliert.

Wer trotzdem sitzen bleibt, kommt vielleicht zu einem eigenen Gedanken.

Oder Maren Kroymann wird eingeflogen.

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II. 

Menschen wollen nicht unbedingt recht haben. Sie wollen vor allem weiterhin zum Grillabend eingeladen werden.

Darum überlebt eine bequeme Lüge manchmal länger als eine unbequeme Wahrheit – besonders dann, wenn die Wahrheit in einem schlecht sitzenden Sachlichkeitskostüm erscheint und die Lüge bereits Getränke bestellt hat.

Die Wahrheit sagt: „Es ist kompliziert.“

Die Lüge sagt: „Drei Tricks, die dir niemand verrät.“

Und schon hat sie einen Podcast, ein Coaching und 400.000 Follower.

Frauen dürfen übrigens recht haben – solange es niemand merkt.

Wahrheit braucht deshalb nicht nur Fakten. Sie braucht Timing, Witz und eine gute Augenbraue.

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III. 

Selbstvertrauen kann man nicht manifestieren. Man muss es sich leider erarbeiten.

Das ist natürlich eine Zumutung. Manifestieren wäre viel angenehmer: Kerze an, Wunsch aufschreiben, Universum in CC.

Aber echtes Selbstvertrauen entsteht nicht im Mondschein, sondern im Gegenwind: Weil du nach dem Scheitern wieder aufstehst, sprichst, obwohl die Stimme zittert, und Räume überlebst, in denen ein Mann deinen Gedanken wiederholt und dafür Applaus bekommt.

Mut ist Selbstvertrauen ohne Beweislage.

Die Beweise kommen später.

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2 ZITATE VON ANDEREN

I. 

Die Dichterin Emily Dickinson wusste, dass Wahrheit nicht nur korrekt, sondern auch klug erzählt werden muss:

„Sag die ganze Wahrheit – aber sag sie schräg.“

Eine Wahrheit darf überraschend, komisch und verführerisch sein.

Sie muss nicht klingen wie die Packungsbeilage eines Blutdruckmittels, nur weil sie seriös ist.

Quelle: Emily Dickinson, “Tell all the truth but tell it slant —” (Gedicht Nr. 1263)

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II. 

Die Künstlerin und ehemalige Ordensfrau Corita Kent über die Gegenwart:

„Liebe den Augenblick, und seine Energie wird sich über alle Grenzen hinaus ausbreiten.“

Ein schöner Gedanke.

Wobei der Augenblick vermutlich leichter zu lieben wäre, wenn er nicht gleichzeitig eine unbeantwortete Nachricht, einen Wäscheberg und sieben offene Tabs enthielte.

Aber wir arbeiten damit.

Quelle: Corita Kent, love the moment, Serigrafie, 1977, Archiv-Nr. 77-01, Corita Art Center.

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1 FRAGE FÜR DICH

Wenn du aufzählen solltest, was du im Leben am meisten liebst: Wie lange würde es dauern, bis du dich selbst nennst?

Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass/

Bis nächste Woche,

Und bis dahin: Langweile dich. Habe recht. Sei unterhaltsam. Und wenn das nicht sofort alles gleichzeitig gelingt, ruf Maren an!


Dr. Ruth Mischnick 

Psychologin · Neurowissenschaftlerin · Universitätsdozentin

P.S. Ein gefundenes Fressen für jeden Affirmations-Affen.

Innerer Kompass 

— jede Woche drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage. 

Probier’s mit mir

Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.

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