Innerer Kompass: Wie man unkopierbar wird, warum Grundlagen radikal sind und welche drei Eigenschaften Talent alt aussehen lassen
Schönen Donnerstag!
Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.
3 GEDANKEN VON MIR
I.
Die Grundlagen: Dinge, die fast alle kennen und beinahe niemand praktiziert – weil wir gerade in einem sehr wichtigen Strategie-Meeting darüber sprechen müssen.
Dazu gehören: zuhören, nachfragen, Fehler zugeben und Pausen machen. Also alles, was in Unternehmensleitbildern steht, damit es im Arbeitsalltag nicht herumliegt.
II.
Wenn ich mir Sorgen darüber mache, „was die anderen wohl denken“, sorgen mich selten konkrete Menschen.
Eher tagt in meinem Kopf eine namenlose Vollversammlung, die erstaunlich gut besucht ist, obwohl niemand eingeladen wurde.
Sobald ich frage: „Was wird Anna denken?“, wird es meistens ruhiger. Anna denkt vermutlich gerade darüber nach, ob sie noch Hafermilch hat.
Das Kollektivurteil ist erfunden. Trotzdem verfügt es über ein Büro, einen Stempel und selbstverständlich einen Vorsitzenden.
III.
Drei Eigenschaften, die weder Talent noch besondere Intelligenz erfordern, aber erstaunlich viel verändern können:
- Heiterkeit. Du arbeitest gern mit anderen und hebst die Stimmung im Raum. Bitte nicht verwechseln mit „Lächeln Sie doch mal“. Heiterkeit ist eine Stärke. Dekorative Weiblichkeit ist ein unbezahltes Zusatzmodul.
- Verantwortungsbewusstsein. Du behandelst deine Ziele nicht wie Sperrmüll: Man stellt sie raus und hofft, dass irgendjemand sie mitnimmt. Verantwortung bedeutet allerdings nicht, automatisch auch den Mental Load der gesamten Etage zu adoptieren.
- Anpassungsfähigkeit. Wenn ein Weg blockiert ist, suchst du einen anderen. Du veränderst die Route, nicht deinen Wert. Sonst bedeutet Anpassungsfähigkeit irgendwann: Er darf alles verlangen – und sie nennt es Resilienz.
2 ZITATE VON ANDEREN
I.
Jane Austen lässt Isabella Thorpe über Freundschaft sagen:
„Für meine wirklichen Freundinnen würde ich alles tun. Menschen halb zu lieben liegt mir nicht; das entspricht nicht meiner Natur.“
Wunderschön. Nur ist Isabella im Roman ungefähr so loyal wie ein LinkedIn-Beitrag über „unsere einzigartige Unternehmenskultur“.
Austen wusste offenbar schon 1817: Je größer das Freundschaftsversprechen, desto wahrscheinlicher wurde gerade eine Pressemitteilung daraus gemacht.
Oder anders gesagt: Wer am lautesten ruft: „Ich bin immer für dich da!“, steht meistens schon in der Tür.
Quelle: Jane Austen, Northanger Abbey
II.
Audre Lorde über Methoden und Veränderung:
„Die Werkzeuge des Herrn werden niemals das Haus des Herrn niederreißen.“
Ein Satz, den Institutionen heute gern auf Diversity-Folien drucken – gestaltet mit den Werkzeugen des Herrn, präsentiert im Haus des Herrn und angesetzt nach Feierabend. Die Teilnahme ist selbstverständlich freiwillig. Das Fernbleiben wird dokumentiert.
Quelle: Audre Lorde, The Master’s Tools Will Never Dismantle the Master’s House
1 FRAGE FÜR DICH
Welcher Teil von dir lässt sich am schwersten kopieren?
Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass-newsletter/
Bis nächste Woche,
Ahoi Sista,
Dr. Ruth Mischnick
Die, die das Workbook geschrieben hat
P.S. Nicht jede Komfortzone muss verlassen werden. Manche haben Miete gekostet.
Probier’s mit mir
Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.