Innerer Kompass: Über Narzissmus, den Preis von Frieden und die Gewohnheit, sich selbst zu verlieren
Schönen Donnerstag!
Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.
3 GEDANKEN VON MIR
I.
Der Anfang ist nicht: „Ich gehe.“
Der Anfang ist oft langweiliger.
Kontostand prüfen.
Dokumente sichern.
Passwörter ändern.
Nachrichten speichern.
Eine Person einweihen.
Beratung suchen.
Nicht glamourös.
Aber Freiheit beginnt selten mit Musik.
Meistens beginnt sie mit einem Ordner.
Narzisstische Menschen lieben Unschärfe.
„So war das nicht.“
„Das bildest du dir ein.“
„Du verdrehst alles.“
Darum ist der erste Schritt nicht Mut.
Der erste Schritt ist Klarheit, die nicht mehr diskutiert.
II.
Frieden ist manchmal nur der höfliche Name für Selbstaufgabe.
Nicht widersprechen ist leichter.
Nicht nachfragen ist leichter.
Nicht sagen, was du gesehen hast, ist leichter.
Kurzfristig.
Langfristig wird aus „Ich will keinen Streit“ ein sehr kleines Leben mit guter Geräuschdämmung.
Das Einfache hat einen Preis.
Und Frauen zahlen ihn oft in der Währung, die niemand sieht:
Selbstvertrauen.
Körpergefühl.
Geld.
Stimme.
Wirklichkeit.
Lebenszeit.
III.
Sei freundlich zu der Frau, die länger bleibt als nötig, bevor sie geht.
Sie war nicht dumm.
Sie war gebunden an Hoffnung, Angst, Kinder, Geld, Scham, Erinnerung — und an die eine gute Woche, die immer wieder als Beweisstück missbraucht wurde.
Aber sei unfreundlich zum Muster.
Nicht nochmal erklären, was er nicht verstehen will.
Nicht nochmal beruhigen, wer dich beunruhigt.
Nicht nochmal aus einem klaren Nein eine pädagogische Maßnahme machen.
Die Vergangenheit braucht Mitgefühl.
Die Gegenwart braucht Konsequenz.
2 ZITATE VON ANDEREN
I.
bell hooks schrieb:
„Liebe und Missbrauch können nicht nebeneinander bestehen.“
Das ist ein kurzer Satz.
Fast unverschämt kurz.
Weil er keine Hintertür lässt für:
„Aber er hat auch gute Seiten.“
„Aber er hatte es schwer.“
„Aber vielleicht liebt er mich nur ungeschickt.“
Liebe ist kein Freibrief für Verletzung.
Und Verletzung wird nicht weniger schlimm, nur weil sie zwischendurch Blumen kauft.
Quelle: bell hooks, All About Love
II.
Toni Morrison:
„Wenn du fliegen willst, musst du loswerden, was dich nach unten zieht.“
Das ist kein Spruch für eine Teetasse.
Das ist eine Zumutung mit Bodenhaftung.
Denn in narzisstischen Dynamiken wird „das, was dich nach unten zieht“ oft sehr geschickt umbenannt.
In Liebe.
In Loyalität.
In Geduld.
In „Vielleicht muss ich nur besser kommunizieren“.
Nein.
Manches ist keine Aufgabe.
Manches ist Gewicht.
Quelle: Toni Morrison, Song of Solomon, 1977
1 FRAGE FÜR DICH
Wem kannst du heute eine ungeschönte Wahrheit sagen — sicher, konkret und ohne dich dafür zu entschuldigen, dass du Unterstützung brauchst?
Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass-newsletter/
Bis nächste Woche,
Ahoi Sista,
Dr. Ruth Mischnick
Die, die das Workbook geschrieben hat
P.S. Das Hackebeil unter der Tischdecke.
Probier’s mit mir
Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.