Innerer Kompass: Über die Kunst, das eigene Leben neu zu gestalten – und den Mut zeitgleich zu heulen
Schönen Donnerstag
Drei Gedanken, zwei Zitate, eine Frage — diese Woche.
3 GEDANKEN VON MIR
I.
Krise? Du musst nicht wissen, wie alles weitergeht. Du musst nur deinen nächsten (kleinen) sicheren Schritt kennen.
In einer Krise verlangt der Kopf gern einen vollständigen Fünfjahresplan – obwohl er heute Morgen das Handy gesucht hat, während er es in der Hand hielt.
Die Frage „Wie bringe ich mein ganzes Leben wieder in Ordnung?“ ist meistens zu groß.
Hilfreicher ist:
„Was macht die nächsten 24 Stunden ein kleines bisschen sicherer oder leichter?“
II.
Fehler zu vermeiden ist eine unterschätzte Form der Verbesserung.
In einer Krise ist der perfekte Tag kein sinnvolles Ziel. Er ist nur eine weitere Person, die enttäuscht von dir ist.
Krisenmanagement ist keine Selbstoptimierung. Es ist Triage.
Du musst heute nicht dein bestes Leben führen. Vielleicht reicht es, das bestehende nicht noch komplizierter zu machen:
Etwas essen. Schlafen. Keine endgültigen Entscheidungen nach Mitternacht. Keine zwölfteilige Nachricht an den Ex. Und möglichst nichts unterschreiben, solange dein Nervensystem glaubt, von einem Säbelzahntiger verfolgt zu werden.
Manchmal ist ein guter Tag einfach ein Tag, an dem nichts zusätzlich eskaliert.
Ein Feuerlöscher ist schließlich auch kein Visionboard – trotzdem ist man im entscheidenden Moment froh, dass er da ist.
III.
Gut in dem zu sein, was man tut, hat mit Kompetenz zu tun. Aber nicht nur.
Auch Verlässlichkeit und Begeisterung zählen.
Wobei Frauen in Krisen selten daran scheitern, nicht verlässlich genug zu sein.
Sie erinnern sich weiterhin an Arzttermine, Geburtstage, Passwörter und daran, dass im Büro seit drei Wochen keine Milch mehr da ist – während ihr Inneres bereits die fristlose Kündigung vorbereitet. Ohne Betriebsrat.
Vielleicht bedeutet Verlässlichkeit deshalb zuerst: dir selbst zu glauben, wenn du sagst, dass es zu viel ist.
Ein rechtzeitiges „Ich kann das nicht übernehmen“ ist verlässlicher als ein heldenhaftes „Natürlich“, gefolgt von einem stillen Zusammenbruch.
Und Begeisterung?
Die muss in einer Krise kein Feuerwerk sein. Ein kleiner Funke genügt.
2 ZITATE VON ANDEREN
I.
Adrienne Rich zu Gemeinschaft und Stärke:
„Es muss Menschen geben, bei denen wir uns hinsetzen und weinen dürfen und trotzdem als Kriegerinnen gelten.“
Tränen sind keine weiße Fahne. Manchmal sind sie einfach die Art des Körpers zu sagen: „Ich habe dazu keine PowerPoint vorbereitet.“
Eine Gesellschaft, die Frauen nur dann stark nennt, wenn sie niemanden brauchen, bewundert nicht ihre Stärke.
Sie bewundert ihre Wartungsarmut.
Quelle: Adrienne Rich, Your Native Land, Your Life
II.
Anne Lamott über Pausen:
„Fast alles funktioniert wieder, wenn man es für ein paar Minuten vom Netz nimmt – auch du.“
Natürlich löst eine Pause nicht jede Krise.
Aber Erschöpfung ist auch kein Charakterfehler. Und manchmal ist der Flugmodus die günstigste Grenze, die wir besitzen.
Du bist keine Maschine.
Und selbst Maschinen bekommen eine Warnleuchte, bevor sie zusammenbrechen. Frauen bekommen häufig nur den Rat, besser zu priorisieren.
Quelle: Anne Lamott, TED 2017
1 FRAGE FÜR DICH
Welche Last versuchst du gerade noch zu tragen, obwohl du eigentlich mehr Unterstützung brauchst?
Wenn du diese Erkenntnisse mit jemandem teilen willst — hier ist der Link: www.ruthmischnick.de/innerer-kompass-newsletter/
Bis nächste Woche,
Ahoi Sista,
Dr. Ruth Mischnick
Die, die das Workbook geschrieben hat
P.S. Du musst nicht an jeder Krise wachsen. Durchkommen reicht.
Probier’s mit mir
Danke fürs Lesen. Der Innere Kompass erscheint jeden Donnerstag: drei Gedanken von mir, zwei Zitate von anderen und eine Frage für dich. Mehr Erkenntnis auf einmal wäre ohnehin verdächtig.